Augen und inneres Erleben

Vom feinen Zusammenspiel zwischen Nervensystem und visueller Wahrnehmung

Daten

Datum: 14. Dezember 2026
Uhrzeit: Montag, 17:30–20:45 Uhr
Leitung: Bettina Maria Schürch (CH)
Bedingungen: Fachpersonen aus körperorientierten Therapien, SOMATIC EXPERIENCING (SE)-Practitioners und -Studierende, sowie am Thema interessierte Laien, welche die Verbindung von Augen, Sehprozessen, Nervensystem und innerem Erleben vertiefen möchten.
Sprache: Deutsch
Kosten: CHF 150.00
Kursort: Zentrum für Innere Ökologie
Freischützgasse 1
8004 Zürich

Wir empfehlen die Live Teilnahme, da die Übungen im direkten Kontakt leichter zum gewünschten Ergebnis führen.
Online Teilnahme ist jedoch möglich.


Sehen erscheint uns als selbstverständlich. Wir öffnen morgens die Augen und gehen davon aus, die Welt so wahrzunehmen, wie sie ist. Dem ist aber nicht so: Unsere visuelle Wahrnehmung verändert sich fortlaufend – geprägt von unserem momentanen Wohlbefinden, unserer Aufmerksamkeit, unserer Atmung und unserer Körperhaltung. Die Augen sind weit mehr als optische Sinnesorgane. Sie sind lebendige Teile unseres Nervensystems und damit eng verwoben mit unserem Erleben und unserer Art, der Welt zu begegnen.

Unser Zeitgeist stellt das visuelle System vor besonders komplexe Herausforderungen. Stundenlange Bildschirmarbeit, permanente Nah-Arbeit, hohe Informationsdichte und ständige Reizverfügbarkeit prägen unsere Sehgewohnheiten oft stärker, als uns dies bewusst ist. Dabei verändern sie nicht nur die Art, wie wir sehen, sondern auch, worauf sich unsere Aufmerksamkeit richtet. Wahrnehmung bedeutet nicht nur, Informationen aufzunehmen. Sie ist immer auch ein Prozess der Auswahl. Sehgewohnheiten beeinflussen mit, welche Informationen überhaupt in unser Bewusstsein gelangen. Diese oft unbewusst erlernten Sehgewohnheiten können sich wiederum auf unser Wohlbefinden, unser Nervensystem und unsere Augengesundheit auswirken.


Die Augen sind mehr als ein isoliertes Sinnesorgan. 


Im Zentrum dieser Abendveranstaltung steht das faszinierende Wechselspiel zwischen visueller Wahrnehmung und dem Autonomen Nervensystem (ANS). Verständlich erklärt und anhand von einfachen Wahrnehmungsübungen erklärt die Kursleiterin auf unmittelbar erlebbare Weise, wie sich unser momentanes Wohlbefinden auf die Art auswirkt, wie wir sehen – und wie sich umgekehrt über das bewusste Einbeziehen des Sehens Orientierung, Stabilisierung und Selbstregulation unterstützen lassen. Die Augen werden dabei nicht als isoliertes Sinnesorgan betrachtet, sondern als Teil eines komplexen Netzwerks, das Wahrnehmung, Bewegung, Aufmerksamkeit und Regulation miteinander verbindet.


Sehgewohnheiten sind Anpassungen an unsere Lebensbedingungen.


Ein weiterer Schwerpunkt gilt der Frage, wie Sehgewohnheiten entstehen und weshalb sie oft erstaunlich stabil bleiben. Viele dieser Muster entwickeln sich über Jahre hinweg als sinnvolle Anpassungen an unsere Lebensbedingungen. Manche unterstützen uns, andere engen unsere Wahrnehmung zunehmend ein. Die Abendveranstaltung lädt dazu ein, solche Sehgewohnheiten bewusster wahrzunehmen, ihre Auswirkungen auf das eigene Erleben zu verstehen und neue Möglichkeiten des Sehens zu entdecken.

Auch traumatische Erfahrungen können die Art beeinflussen, wie wir unsere Umwelt visuell wahrnehmen und mit ihr in Beziehung treten. Trauma wirkt nicht nur auf unser gegenwärtiges Erleben, sondern kann sich ebenso in charakteristischen Seh- und Orientierungsmustern ausdrücken. Solche Muster dienten ursprünglich dem Schutz und bleiben häufig bestehen, obwohl die ursprüngliche Gefahr längst vorüber ist. Die Augenarbeit eröffnet hier einen behutsamen Zugang, Orientierung, Sicherheit und verkörperte Präsenz zu fördern und neue Erfahrungen im Hier und Jetzt zu ermöglichen.

Der Kursabend verbindet Erkenntnisse aus Neurobiologie, Wahrnehmungsforschung, Sehtherapie, Augenheilkunde und Somatic Experiencing® mit über 25 Jahren praktischer Erfahrung in der Augenarbeit, die Bettina Schürch mitbringt. Theorie und Selbsterfahrung wechseln sich ab und laden dazu ein, das Sehen als Ausdruck eines lebendigen Nervensystems neu zu entdecken.


Das Autonome Nervensystem steuert die unwillkürlichen Reaktionen der Augen.


Die vermittelten Inhalte bieten Therapeutinnen und Therapeuten wertvolle Impulse für die therapeutische Praxis und eröffnen zugleich allen interessierten Menschen neue Perspektiven für den bewussten Umgang mit Sehen, Körper und Nervensystem im eigenen Alltag. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Neugier, Wahrnehmung und unmittelbare Erfahrung bilden die Grundlage dieser Veranstaltung.

Bettina Maria Schürch

Geboren 1975 in Lissabon, lebt und arbeitet in Basel. 
Sie arbeitet seit 2001 als Naturheilpraktikerin und seit 2016 als SE-Practitioner in eigener Praxis.
Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf dem Zusammenspiel von Augengesundheit, Sehgewohnheiten, innerem Gleichgewicht und Trauma. Über viele Jahre erforschte sie gemeinsam mit einem Augenarzt naturheilkundliche Therapieansätze zur …

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